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Der Begriff Roboterjournalismus schwirrt durch Redaktionsstuben und Führungsetagen der Verlage. Was hat es mit der disruptiven Kraft auf sich, die von Textrobotern ausgehen? Wird die von vielen als Angstvokabel verstandene Metapher Roboterjournalismus dafür sorgen, was anderen Branchen ebenfalls blüht?

Schon jetzt steht fest, dass künstlich intelligente Systeme Einzug in beinahe alle Wirtschaftszweige halten. Viele Berufsbilder stehen deshalb schon heute vor einschneidenden Veränderungen, darunter auch solche, bei denen man am wenigsten daran denkt: Wirtschaftsprüfer, Anwälte oder Ärzte. Zu Beginn der Diskussion um die Folgen der Digitalisierung standen besonders einfache, repetitive Arbeiten im Fokus. Tätigkeiten mit hohem Routineanteil werden in Zukunft von Computern oder Maschinen übernommen, so der Grundtenor der Experten. Beispielsweise einfache Verwaltungsaufgaben in Unternehmen oder die Fließbandarbeit in der Fertigung.

Geistig anspruchsvolle Arbeit werde dagegen in absehbarer Zeit exklusiv dem Menschen zustehen, hieß es immer. Spätestens seit dem Erfolg von künstlicher Intelligenz in konkreten Anwendungen ist klar: Der Einsatzbereich von Maschinen ist viel breiter. Denn in vielen Fällen sind diese schlichtweg exakter und effizienter als der menschliche Verstand. Deswegen geraten nun auch zunehmend die höher qualifizierten Berufsbilder „mit weißem Kragen“ ins Visier der Digitalisierung. Quelle: faz.net

Um die in der Überschrift aufgeworfene Frage zu beantworten: Nein. Denn Textroboter in ihrer heutigen Form und Ausprägung sind dumm wie Dosenbrot. Erst, wenn die Software, hinter der sich letztlich der Textroboter verbirgt, mit Satzgerüsten, Regelwerken und den passenden strukturierten Daten programmiert wird, kann er automatisiert Texte produzieren. Wir sehen: Der an dieser Stelle gerne zitierte Begriff Roboterjournalismus ist irreführend. Automatische Betextung hat mit Journalismus wenig bis gar nichts zu tun. Schon eher könnte man in diesem Kontext von Datenjournalismus sprechen.

Allerdings darf nicht außer Acht gelassen werden, dass das dem Textroboter vermittelte Regelwerk immer besser und leistungsfähiger wird. In Bälde werden wir auch hier von künstlicher Intelligenz sprechen.

Studie unterstreicht hohe Güte automatisiert produzierter Texte

Dann allerdings in einer so hohen Qualität, dass sie den Vergleich mit von Redakteuren, Journalisten oder Textern verfassten Beiträgen nicht scheuen müssen. Im Gegenteil: Automatisiert produzierte Texte schneiden in puncto Glaubwürdigkeit und Fachkompetenz sogar besser ab, als jene, die von Menschenhand geschrieben wurden. Das hat eine Studie unter der Leitung von Dr. Mario Haim ergeben, die an der Ludwig-Maximilians-Universität in München durchgeführt wurde.

Das Ergebnis verwundert nicht. Denn im Gegensatz zu einem menschlichen Verfasser kennt die Maschine keine Ermüdung, kein Nachlassen der Konzentrationsfähigkeit. Wer als Redakteur schon mal 20 Produktmeldungen oder Börsennachrichten am Stück, oder als Texter 40 Strickwesten betexten musste, weiß, wovon die Rede ist. Die Qualität der Texte nimmt ab – der Mensch kann dieses stupide Abarbeiten auf Dauer nicht in konstanter Qualität liefern. Der Textroboter liefert hingegen 500.000 Produktmeldungen in gleicher Qualität ab. Und das in einer Stunde.

Disruption zum Vorteil nutzen

Und damit wird auch klar, was Textroboter besser leisten können, als jeder Journalist, Redakteur oder Texter: automatisiert in hoher Qualität, basierend auf einem Regelwerk, Daten zu Text zu machen – zu einzigartigen Texten wohlgemerkt; kein Text gleicht dem anderen. Das soll Roboterjournalismus sein? Natürlich nicht. Es leuchtet jedoch ein, dass Textroboter Aufgaben – wie die komplette Betextung aller Produkte in einem Webshop – effizienter und damit deutlich wirtschaftlicher erledigen können. Weitere typische Einsatzgebiete sind zum Beispiel:

Im Bereich E-Commerce:

  • Produkttexte
  • Produktvergleiche
  • Produktbewertungen
  • Kategorieseiten

Im Bereich Publishing:

  • Wetterberichte
  • Börsenberichte
  • Sportberichte
  • Horoskope
  • TV-Programm
  • Neuerscheinungen von Büchern, Musik, Filmen

Im Bereich funktionale Betextung:

  • Geschäftsberichte
  • Reportings
  • Vertriebsberichte
  • Webanalytics
  • Online-Kampagnen
  • Kreditberichte
  • Finanzberatung
  • Individuelle E-Mails für eine 1:1-Kommunikation

Roboterjournalismus: Disruptive Kraft beschränkt sich auf News-Room

Berufe, die durch Roboter ersetzt werden können

Substituierbarkeitspotenzial nach Berufssegmenten (Quelle: IAB)

Für Journalisten, Redakteure und auch Texter bedeutet das, dass der Textroboter eine hilfreiche Entlastung für wiederkehrende, ja mitunter stupide, Schreibarbeit ist. Im Gegenzug bleibt mehr Zeit für jene Arbeiten, die journalistische, redaktionelle und texterische Kompetenz erfordern. Journalisten und Redakteure können sich verstärkt wieder Recherchen, Hintergrundgeschichten oder Interviews widmen und müssen nicht länger den Ballast der News-Schreiberei tragen. Und Texter können sich darauf konzentrieren, ihren Kollegen Textroboter immer bessere Texte ausspucken zu lassen.

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